Gonzosophie
11. April 2009
Frühling (gewidmet)
gonzosophie | 11. April 09 | Topic 'Postpoetik'
Mir sprießen wirre Reime,
Herzverwesungskeime,
ein Sichelmyrtensang.
Es grünt an meinen Haaren.
Mit dreiundzwanzig Jahren,
da fing das Sterben an.

Ich rauchte zuviel Benn,
und hab mich blau gesoffen,
mit Schillern lernt ich’s Hoffen,
mit Jünger schmiss ich’s hin.

Der Satzbau ist zerstört,
die Form ward mir zerschunden,
kein Vers der mir gehört. -
Wohl gar nicht meine Wunden,

Geschlagen von der Zeit,
Vom Weib und Eitelkeit.

Nun sprengt der Mai ins Haus.
Es wuchert drin und draus,
von frischen, roten Wangen,
ein Pflaumenmusverlangen,
treibt mir die Loden aus.

Komm, gehn wir in den Zoo!
Dort füttern wir Lemuren -
ich blick an deinen Kurven:
Vorbei,
vorbei.

Wie soll’s nun weitergehn?
Was ist mit mir geschehn?
Der Frühling kommt;-
/du gehst,
und lässt mich qualmend stehn.

Ist das nun mein Ende?
Oh weh.
Ja, ne.
Ich schweife durchs Gelände,
ich ringe meine Hände,
und falte neuen Schnee.

(Kommentieren sie diesen Beitrag auf gonzosophie.de)

Permalink





10. April 2009
er trägt
gonzosophie | 10. April 09 | Topic 'in aller Kuerze'
lesen, was keiner liest,
schreiben, was keiner liest,
leben, was keiner liebt,
lieben, was keinen liebt

ertragen, was keiner trägt


(Kommentieren sie diesen Beitrag auf gonzosophie.de)

Permalink





9.
gonzosophie | 10. April 09 | Topic 'Marginalien'

Ich trinke oft, in letzter Zeit. Wer mit mir trinken geht, kotzt sich am nächsten Morgen die Seele aus dem Leib. Ich kann sie alle nur dafür beneiden. In mir staut sich so viel dunkle Galle.
Bewerbung nicht abgeschickt, Nummer des Mädchens nicht angerufen. Ich tue nichts. Ich lege mich wieder schlafen. Langer Schlaf, immer länger wird er ohne jeden Willen aufzustehen. Nicht heute, nur heute nicht, nicht schon wieder.
Irgendwann einmal fügte sich mein Ich doch in sich; passte gut. Nun liegt bruchstückhaft vor mir, was sich nur noch zusammenkehren lässt. Scherben, Steine – nichts weiter. Mir fehlt sowohl das archäologische Geschick, als auch das historische Interesse, daraus noch etwas sinnvolles zu ziehen.
Bald jährt sich wieder die Auferstehung. Auch bei mir gab es derer manche. Man rappelt sich auf, nur um sich wieder zerstören zu lassen. Das ist wohl der Lauf der Dinge. Man wird alt dabei, nicht reif. Und schrecklich müde.

(Kommentieren sie diesen Beitrag auf gonzosophie.de)

Permalink





... ältere Einträge