Mein Leben ist eigentlich recht gut strukturiert. Entweder fürchte ich mich, bald an einer schrecklichen Krankheit zu sterben, oder ich denke über den Freitod als ultima ratio nach. Verbunden ist dies mit der zugehörigen Schlafstörung. Die Angst treibt einen nach wenigen Stunden aus dem Bett. Der Unwille zu leben wirkt dagegen recht einschläfernd und ihm verdanke ich, momentan sehr gut zu schlafen, angstfrei aufzuwachen. Ein angenehmes Gefühl: Den Tag in Ruhe nach allen Anderen mit Kaffee zu begehen, das Frühstück ausfallen lassen. Bald schon ist Abend. Und man hat ein Ziel, über das man nicht einmal groß schreiben müsste.
Am Sonntag sind Wahlen; dies und ein Geburtstag sind die eigentlichen Gründe, mich wieder einmal an die Scheinöffentlichkeit zu wenden. Wenn Sie nicht wollen, gehen sie bitte zu Beidem nicht. Sie werden durch ihr Fernbleiben kaum etwas ändern. Bei bürgerlichen Groß- wie Kleinveranstaltungen ist es nicht der Einzelne, der zählt. Die Gruppendynamik allein wird von Bedeutung sein. Ich für meinen Teil, werde mich wohl weder hier noch dort enthalten wollen können. Das allerdings ist pure Geltungssucht.
A propos. Bitte verschonen Sie Ihre Mitmenschen damit, in Diskussionen Ihre Privatinteressen als öffentliches Anliegen zu kaschieren. Wenn sie tatsächlich glauben, die FDP sichere Ihnen und Ihren Kindern jenes überdurchschnittliche Gehalt, dann wählen Sie die halt. Jedes Volk erhält die Regierung, die es verdient. Außer vielleicht in afrikanischen Staaten.
Und könnte mir mal bitte jemand sagen, was man mit der vielen Zeit anfangen soll, wenn man erst festzustellen glaubt, doch an keiner fatalen Krankheit zu leiden? Nicht das ich Probleme mit der Auffindung zeitraubender Nichtigkeiten hätte. Aber die Frage zielt schließlich nicht darauf ab, was man machen könnte, sondern sollte. Antworten bitte postwendend an meine neue Adresse. Ich hab auch so ein nettes Namensschild davor geklebt.
Eine Farbcollage ist der Körper, weiter nichts. Weiß und Rot, gelb die Bindehaut und Blau von dicken Kranzgefäßen. Das ist ein Tuschkasten der Existenz. Spritz Farben an die weißen Wände deiner Zukunft. Wälze dich in den Gefühlen.
Gestern trug ich Möbel durch die Stadt, stellte den Schreibtisch an die Autobahnabfahrt. Den Stuhl davor, die Hand am Füller und zum Winken in der Luft, getränkt von Fernwehfahrabgasen. Das Alles ist Kompositum.
Ich trenne Silben wie sich Menschen trennen: Substantiv. Zunge, Tod und Resonanz. Ich binde an mich, was nicht trägt. Trage Trümmer in den Taschen. Und ich liebe den Verlust. Ich halte viel davon.
Ach, was weißt du denn von mir. Glaubst du etwa, die Wahrheit wäre etwas, dass man sagt? Messer halte ich verdeckt. Kondome sind zumeist versteckt. Wie denn auch sonst.
Hier passiert nichts mehr. Die Zeit ist kalt und Menschen sind für sich, ganz eigentlich.
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