Gonzosophie
27. August 2009
Gebilde
gonzosophie | 27. August 09 | Topic 'Postpoetik'
Da ist etwas in mir, das lebt. Es weiß jedoch der Körper besser, wohin die Reise geht. Noch bin ich gut durchblutet. Und Bilder stürzen durch die ausgekratzten Nervenbahnen auf mich ein.
Da tanzen Staubpartikel auf der Thermik meiner Hand. Es bricht sich Licht. Ein Kosmos fahler Sterne dort und hier ein müder Gott, der auf ihn blickt.
Da ist eine junge Frau, die glaubte, sie sei gescheitert an den eigenen Gefühlen, vor Jahren schon. Furcht bereitet ihr einzig der Gedanke, es könne jemals wieder etwas wichtig sein für sie. Kein Ding wie Farbfernsehen. Ein Mensch vielleicht, noch dazu ein guter. Was würde dann aus ihr?
Da war ein Mann, in den 80ern war es, der mochte das nicht, was er tat und dennoch tat er es. Und ist daran gestorben. Viel hab ich nicht von ihm. Ich sterbe einfach so, jünger noch und ohne jede Leidenschaft.
Ja, ich habe mich unter Kontrolle. Das Elend verwalte ich die meiste Zeit mit Feingefühl und mit Geschick. Ich lernte ohne all das auszukommen, ohne jenen Mann und ohne diese Frau.
Ja, da ist ein Knabe in den Zwanzigern, der scheiterte an allem, was er tat. Und dennoch tut er es. Furcht bereitet ihm einzig der Gedanke, dass nichts mehr wichtig ist für ihn. Kein Mensch, ja nicht einmal ein guter.
Da war ein Punkt, da starb alles in ihm und mit dem Blut gerann auch jedes Bild.

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14. August 2009
Bekenntnisse
gonzosophie | 14. August 09 | Topic 'Postpoetik'
Auf Holz klopfen, sich die Wimpern ausrupfen, Glück mitnehmen, wo es geht. Ich kann es gebrauchen, sind doch Entscheidungen zu treffen. Nicht, dass ich die Wahl hätte. Aber man kann sich immer noch dagegen entscheiden, wogegen auch immer. Die letzte Freiheit bleibt.
Ich habe einen festen Glauben. Einen festen Glauben daran, dass nichts mehr kommt. Ich lese nicht, schreibe nichts neues und Fragen stelle ich keine mehr. Ich schaue auch den Frauen nicht mehr nach, schmecke keinen Unterschied zwischen Tafel- oder Landwein. Mir trocknet jede Tinte ein, der Tropfgedanke zieht bar jeder Spur daher.
Das Fernsehen flimmert, noch klingelt grell das Telefon. Verwählt vielleicht, wen interessiert das schon. Ich sollte was mit Tönen machen - Klangcollagen eines Nihilismus. Doch wie klingt das Nichts und wer zur Hölle hört sich sowas an.
Einmal zeichnete meine Feder Spuren auf die bloße Haut, strich behutsam Verse um die Fesseln deiner Füße. Es gab doch Poesie an deinem Leib. Die rote Tinte rieb ich zwischen meinen Fingern auf das weiße Pergament. Dein Fleisch log mich nicht an. So ist es mal gewesen.
Heut kauf ich mir die Höchsten der Gefühle stets im Schlussverkauf. „Leberwurst stillt Herzeleid“, so sprach die Fachverkäuferin. Und ich schenk ihr Gehör. Nun streicheln meine Hände Fleischsalat auf Graubrot; mit sanftem Auge dem Bedürfnis der Materie angemessen. Ich lege nach
und nach den Menschen in mir ab. Wo soll er denn auch leben? Hier, bei dir?
Bei mir? Mitnichten.

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